Montag, 24. November 2014

Kulturgut: Roggenvollkornbrot über Nacht


Es sind die Kleinigkeiten, die man als Deutscher im Ausland vermisst. Federbetten – überhaupt Decken, die nicht so stramm mit der Matratze verzurrt sind, dass einem drunter ganz klaustrophobisch werden kann. Mineralwasser. Und, vielleicht als erstes: Schwarzbrot.
Nicht, dass man mich falsch versteht: Ich liebe neue, fremde Küchen, bin oft genug betrübt, dass man sie hier so selten authentisch findet. Überhaupt waren ich und das Brot lange Zeit alles andere als dicke.

Und trotzdem: Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als sich dunkles, kerniges Brot schätzen lernte. Es war sonnig, wir waren im Garten. Mein Vater hatte sich eine Scheibe geschmiert, schön dick mit Butter. Er ließ mich abbeißen und ich, die ich vorher (wie vermutlich jedes kleine Kind) eher den hellen, weichen Krumen zugetan war, Stichwort „Omahäppchen“, machte plötzlich die Erfahrung von Röstaromen. Von Konsistenz. Der leichten Note Karamell. Mein Vater musste sich eine neue Scheibe schmieren, aber ich glaube, er war nicht unglücklich darüber.

Dieses Brot kommt dem Brot von damals sehr nahe. Vielleicht war es noch ein bisschen dunkler, noch ein bisschen körniger – vielleicht trügt mich auch die Erinnerung. Schließlich gibt es dieses wohl deutscheste aller deutschen Brote in mindestens so vielen Varianten wie es Backstuben gibt. Diese hier halte ich in Ehren.

(Und ab jetzt bin ich wirklich weg! Zài jiàn!)


Donnerstag, 20. November 2014

Warum in die Ferne schweifen: Münsterländer Schmalzstuten


Ich habe es schonmal anklingen lassen: Ich bin gebürtige Münsteranerin. Die, wo immer auf dem Fahrrad, genau (übrigens etwas, das ich noch immer hochhalte).
Und selbst, wenn es mich – anders als die Schwester – seit dem Wegzug gen Norden nie mehr für länger zurückverschlagen hat, war es völlig fraglos, dass ich ein Brot, das sich Münsterländer Schmalzstuten nennt, würde nachbacken müssen. Das Ergebnis sieht schließlich wirklich haargenau so aus, wie ich es von früher kenne (vor allem in der Darreichungsform „Omahäppchen“ mit Frischkäse und Himbeermarmelade).

Noch besser: es schmeckt sogar so. Am besten, wenn es ein bisschen ziehen konnte. Dann ist die Krume zwar nicht mehr ganz so flaumig wie frisch aus dem Ofen, dafür schön saftig und elastisch. Mehr als Butter braucht es da kaum.

Achso, und auch, wenn es angesichts der derzeitgen Post-Intervalle hier nicht sonderlich auffallen dürfte, aber: die nächsten zwei Wochen ist hier Pause. Grund: 12 Tage China. Yeah.

Donnerstag, 6. November 2014

Schwein auf Eis – oder: Khao soi aka Crack Slurp aka Reisnudeln mit Aromasauce und Knusper obendrauf


Meine Idee vom perfekten Abendessen war eher vage: Reisnudeln könnten durchaus was sein, gern auch in Kombination mit Kokosmilch. Vielleicht Hackfleisch. Oder Fisch?
Das Pinterest-Sammelsurium half da nicht wirklich weiter: Für das Eine fehlten gefühlte 2736 Zutaten, außerdem würde sich die Begeisterung des Kerls in Grenzen halten. Für anderes war ich zu faul.

Überhaupt war ich faul. So faul, dass ich kurz davor war, Monsieur zu fragen, ob wir den geplanten Auswärts-Abend nicht spontan um 'ne halbe Woche vorverlegen wollten. Halbherzig tippte ich noch „rice noodles“ in die Foodgawker-Suchmaske. Scrollte, scrollte... wollte das Ganze schon wieder schließen, als ich Seite Fünf erreichte: Reisnudeln mit Kokos-Currysauce, Hackfleisch und einer Mischung aus knusprig frittierten Schweinespeckwürfelchen, Knoblauch und Schalotten. Eins dieser Lady-and-Pups-Rezepte, an denen ich schon in der Vergangenheit immer wieder hängen geblieben war, weil es so gottverdammt gut aussieht. So gut, dass man bereit ist, (fast) alle Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen, nur, damit genau das später auf dem Teller liegt. Blöd, dass man gefrorene Schweineschwarte braucht.

Gefrorene Schweineschwarte?
Ahaha! Aber genau die lag doch noch im Tiefkühlschrank! Rest des letzten kulinarischen Ausflugs nach Asien, als das nötige Stück Schwein ein bisschen zu viel Speck auf den Muskeln hatte. Kann ich ja nicht wegtun, sowas, selbst, wenn ich gar nicht so richtig weiß, was ich damit anfangen will. Und dann kommt Mandy Lee und will: gefrorene Schweineschwarte!

Das Ganze ist – ja, doch: ein Kracher: die cremige, durch und durch aromatische Sauce, die weichen Nudeln, das knusprige Gebrösel obendrauf. Kerl begeistert, Köchin begeistert – ein Königreich für Schweineschwarten! Und Zufallsfunde.


Sonntag, 2. November 2014

Mit Laib(chen) und Seele: Miche-Brötchen


Ich bin ein Scanner. Eine von denen, die sich Hals über Kopf für Dinge begeistern. Die tage-, wochen-, monatelang nichts anderes tun können und wollen. Um dann, wenn der eine, undefinierbare, aber kritische Punkt überschritten ist, von heute auf morgen alle Anstrengung einzustellen – zugunsten des nächsten Projekts.

Statt (blogreif) zu backen und zu kochen, hab' ich mein Strickzeug wieder ausgepackt. Ich bin durch die Wälder gestrichen, den Blick auf den Boden geheftet – immer auf der Suche nach steinpilzbeige, maronenbraun und den großen Hüten der Safranschirmlinge. Zum Glücklichsein reicht da.

In diesem Moment strahlt hier, beim Kerl, die Novembersonne so stark, dass es auf dem Balkon zu warm ist und auf dem Sofa auch. Der Schnee, der schon auf vielen der umliegenden Gipfeln liegt, schmilzt. Vermutlich nicht ganz – bis zum Frühjahr.


Hier kann ich Ärmel stricken und Pilze suchen und habe trotzdem Zeit für anderes. Weil nichts anderes drängt.

Michas Miche kam gerade recht. Als hätte sie erinnert, wie sehr ich grobporige Krumen mag und dass es mit dem Sauerteig im hiesigen Kühlschrank nicht weit her ist (Der Ableger des blasigen Mitbewohners in meinem norddeutschen Kühlschrank wollte sich beim Kerl nicht recht akklimatisieren: Er stellte jeweils zuerst das Blubbern ein, um sich dann nach Banane (?!) riechend unter einem weiß-grünen Pelz zu verkriechen.).

Arnd Erbel, gedanklicher Vater dieses Teigs, wäre mit mit meiner Abwandlung zur Trockenhefe vermutlich nicht einverstanden. Auch die reduzierte Wassermenge zwecks besserer Händelbarkeit dürften dem Meister nicht gefallen. Trotzdem ist das Ergebnis aller Achtung wert: Flaumige Krume, besagte fabelhafte Porung und ein Geschmack, der ein bisschen an Baguette erinnert und trotzdem ganz eigen ist.